Präventive Maßnahmen: Sicherheit beginnt bei der Vorbeugung
Analog zu modernen Assistenzsystemen im Automobilbereich, wie Spurhalte- oder Bremsassistenten, besteht die primäre Aufgabe im Explosionsschutz darin, ein Ereignis von vornherein zu verhindern. Dr.-Ing. Johannes Lottermann betont im Podcast, dass hierzu verschiedene technische Maßnahmen entscheidend sind:
- Reinigung und Wartung der Anlagen, um die Ansammlung von explosionsfähigen Stäuben zu verhindern.
- Inertisierung von Anlagenbereichen, um die Oxidationsbedingungen gezielt zu steuern.
- Vermeidung von Zündquellen durch konstruktive Gestaltung, regelmäßige Kontrolle elektrischer Komponenten und mechanischer Teile.
- Erdungssysteme und konsequente Potenzialausgleichsmaßnahmen, um statische Aufladungen zu vermeiden.
Diese präventiven Maßnahmen bilden das Fundament eines effektiven Explosionsschutzes und reduzieren die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Explosionsereignisses erheblich.
Konstruktiver Explosionsschutz: Schutz im Ernstfall
Trotz vorbeugender Maßnahmen kann es zu Explosionsereignissen kommen. Dr.-Ing. Johannes Lottermann vergleicht dies anschaulich mit einem Autounfall: Trotz aller Vorsichtssysteme wie ABS und ESP in Autos, greifen konstruktive Schutzsysteme wie Airbags und Sicherheitsgurte ein, die Explosionen druckentlasten oder unterdrücken. Dazu zählen:
- Explosionsdruckentlastungssysteme, die den Überdruck gezielt ableiten
- Explosionsunterdrückungssysteme, die Löschmittel in Bruchteilen von Sekunden aktivieren
- Explosionsentkopplungssysteme, die eine Ausbreitung der Explosion verhindern
Neben der Technik ist auch die organisatorische Ebene entscheidend: Zuständigkeiten, Reinigungspläne und regelmäßige Schulungen tragen maßgeblich dazu bei, Risiken zu minimieren.
Bewusstsein und Schulung: Die menschliche Komponente
Dr.-Ing. Johannes Lottermann betont, dass das größte Potenzial im Explosionsschutz oft in Sorgfalt, Schulung und Disziplin liegt. Wer Anlagen sauber hält, innerhalb der Auslegungsparameter betreibt und potenzielle Zündquellen minimiert, reduziert das Risiko erheblich. Explosionsschutz wird so zu einem (sicherheits-)kulturellen und organisatorischen Unterfangen, dass das Verhalten und die Verantwortung aller Beteiligten einbeziehen.
Index e.V.: Wissensbündelung und internationale Vernetzung
Ein zentrales Element für die Weiterentwicklung des Explosionsschutzes ist die Bündelung von Expertise und Forschung. Index e.V. (Intercontinental Association of Experts for Industrial Explosion Protection) bündelt Wissen, fördert Forschung und bietet eine neutrale Plattform für Austausch und Weiterbildung. Unter der Präsidentschaft von Dr.-Ing. Johannes Lottermann setzt der Verein auf Transparenz, internationale Vernetzung und „POWdfunding“-Ansätze, um die wissenschaftliche basierte Forschung um praxisgerechten Explosionsschutz voranzutreiben.
Fazit: Explosionsschutz als integraler Bestandteil industrieller Prozesse
Explosionsschutz ist ein kontinuierlicher, integraler Prozess. Vorbeugende und konstruktive Schutzmaßnahmen sowie die Förderung von Bewusstsein und Verantwortungsbewusstsein bilden zusammen ein wirksames Schutzsystem. Organisation, Schulung und Technologie greifen ineinander, um Menschen, Anlagen und Umwelt zu schützen.
Wer mehr über diese Themen erfahren möchte, kann das Gespräch mit Dr.-Ing. Johannes Lottermann im BULK TALK Podcast – der Podcast für eine innovative Schüttgut- und Recycling-Industrie nachhören. Für praxisnahe Einblicke, Networking und Fachvorträge lädt die SOLIDS & RECYCLING-TECHNIK Dortmund 2026 am 18. und 19. März ein. Dort findet auch das IND EX® Explosion Safety Forum am 18.3.2026 im Rahmen der SOLIDS & RECYCLING-TECHNIK statt.
Aktualisiert am 17.12.2025, Quelle:
SOLIDS & RECYCLING-TECHNIK Dortmund, Easyfairs Deutschland GmbH
Fachmesse-Duo für die Schüttgut-, Prozess- und Recycling-Industrie